2007 - Die mediale Hinrichtung wird vollzogen

Vermutlich wäre die in 2006 beginnende Hetze eingeschlafen, wenngleich es sich Désirée Nick nicht entgehen lassen konnte, ihr Buch "Eva go home" herauszugeben. Wiederaufkochen einer medienträchtigen Debatte steigert die verkaufte Auflage eines Buches. Doch selbst wenn wir Désirée Nick lediglich Meinungsdifferenz zugestehen wollen, so ist ihre Argumentation völlig haltlos. In einem Interview von europolitan.de vom 19.01.2007 sagte sie zu Eva Hermans Buch "Das Eva-Prinzip": „Das ist kein Buch, das ist eine Kette von Falschmeldungen," so Nicks Resultat, nachdem sie die Thesen der Herman zusammengefasst und widerlegt hat."

Es ist schon beeindruckend, wie überzeugt so manche - wie auch Désirée Nick - davon sind, dass ihre Realität und ihre Wahrnehmung der Realität die einzig wahre bzw. die einzig richtige sei. Von einer Falschmeldung zu sprechen, nur weil sich Nicks Erfahrungen nicht mit denen anderer decken, zeugt nicht von einem Charakter, der sich seiner selbst sicher ist und es daher nicht nötig hat, sich via Richtig- und Falsch-Etikettierungen besser, oder richtiger zu fühlen.

Auch diese Aussage lässt jeden mit auch nur halbwegs klarem Menschenverstand ungläubig "Hä?" denken: "Schließlich sei die Herman sowieso bloß eine „Hobbysoziologin" und dazu solle sie sich auch bekennen. „Ich gehe ja auch nicht in eine Kfz-Werkstatt und schleiche um ein Auto herum und mache Vorschläge zur Reparatur." Eine „Missionarin der Mütterlichkeit", eine „Kalenderblattphilosophin" sei Eva Herman."

Wie dumm ist das denn? Erstens hinkt der Vergleich. Persönliche Bedürfnisse und Wünsche dürfen sich zu Nicks Leidwesen NOCH immer von denen anderer unterscheiden und sind nicht mit der Reparaturanleitung eines Fahrzeugs zu vergleichen. Und, die Frage sei erlaubt: darf nur der sich äußern, der eine entsprechende Profession vorzulegen hat? Warum schweigt Nick dann nicht? Sie hat Theologie studiert, irgendwelche soziologischen Sonderkenntnisse sind mir in ihrem Lebenslauf nicht aufgefallen. (zur Quelle der oben aufgeführten Zitate)

Ansonsten blieb es einigermaßen ruhig im Medienwald, bis alle Wächter der Meinungshoheit und Meinungseinseitigkeit aufschreckten, als Eva Herman ihr Buch "Das Prinzip Arche Noah" ankündigte. Es ist nicht auszuschließen, dass die Empörung noch größer war als bereits 2006, denn wie konnte Eva Herman es wagen nach ersten Nazi-Etikettierungen nicht endlich die Klappe zu halten? Es war als hätte man regelrecht auf den finalen Abschuss gewartet, den Barbara Möller vom Hamburger Abendblatt am 07.09.2007 der Meinungsmacht endlich lieferte: "In diesem Zusammenhang machte die Autorin einen Schlenker zum Dritten Reich. Da sei vieles sehr schlecht gewesen, zum Beispiel Adolf Hitler, aber einiges eben auch sehr gut. Zum Beispiel die Wertschätzung der Mutter. Die hätten die 68er abgeschafft, und deshalb habe man nun den gesellschaftlichen Salat. Kurz danach war diese Buchvorstellung Gott sei Dank zu Ende."

Frau Möller hat hier nachweislich ihre im Pressekodex definierte Sorgfaltspflicht verletzt und sich nicht vergewissert, ob sie sich richtig und vollständig erinnert. Sie wundert sich selbst in einem Video des NDR, das mir gespeichert vorliegt (bitte schicken Sie mir einen Link-Hinweis falls ich es nur nicht wiederfinde auf den Seiten des NDR), sagt Barbara Möller "Es waren sehr viele Kollegen da, es war doch dokumentiert (gemeint ist der verkürzte Videoauszug von RTL), dass ich es dann nur im Hamburger Abendblatt fand, kann ich nicht erklären." In diesem Video nennt Reinhard Urschel, Berlin-Korrespondent der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung, gut etwa drei bis vier Dutzend anwesende Journalisten auf der Pressekonferenz mit Eva Herman. Was im Hamburger Abendblatt zitiert wurde, kommentiert er wie folgt "Das ist ehrlich gasagt an mir und an offenbar vielen anderen einfach so vorbeigerauscht."

Wer's glaubt wird selig! Weit mehr als eine Journalistin wären aufgeschreckt. Es hätte am nächsten Tag in jeder Zeitung gestanden, wenn Eva Herman nicht zuvor gesagt hätte "Wir müssen den Familien Entlastung und nicht Belastung zumuten und müssen auch ‘ne Gerechtigkeit schaffen zwischen kinderlosen und kinderreichen Familien. Und wir müssen vor allem das Bild der Mutter in Deutschland auch wieder wertschätzen lernen, das leider ja mit dem Nationalsozialismus und der darauf folgenden 68er Bewegung abgeschafft wurde. Mit den 68er wurde damals praktisch alles das alles, was wir an Werten hatten – es war ‘ne grausame Zeit, das war ein völlig durchgeknallter, hochgefährlicher Politiker, der das deutsche Volk ins Verderben geführt hat, das wissen wir alle – aber es ist damals eben auch das, was gut war, und das sind Werte, das sind Kinder, das sind Mütter, das sind Familien, das ist Zusammenhalt – das wurde abgeschafft. Es durfte nichts mehr stehen bleiben…." Weil die anderen richtig zugehört haben, stand auch nicht nur die Hälfte Eva Hermans Zitats in den anderen Zeitungen!