2007.12.12: Sueddeutsche.de - Es ist nicht zu fassen!!!
Die falsche Mär, Eva Herman habe von Wertschätzung der Mütter während der Nazi-Zeit gesprochen, scheint unausrottbar. Noch immer verbreitet die als seriös bezeichnete Presse - diesmal die Süddeutsche Zeitung - diesen Unsinn.
Gestern horchte ich bereits auf, als ich mitbekam, mit welchem Thema das neue Format der ARD "Geheimnis Geschichte" startete. Zufällig war das Thema "Rolle der Mütter unter Adolf Hitler" nicht. Aus meiner Sicht geht es um Fortsetzung der Meinungsmache gegen Eva Herman, wohl auf ihre eventuell noch erfolgende Klage gegen den NDR zielend.
Aufgrund dieser Überinszenierung gerät beinahe in den Hintergrund, dass die Autoren inhaltlich durchaus ordentlich gearbeitet haben. Es geht um die nicht mehr ganz aktuelle Diskussion, dass insbesondere beim Thema Mütter unter Adolf Hitler nicht alles schlecht gewesen sei. Ein Viertel der Deutschen hegt einer Umfrage zufolge offenbar eine solche Meinung, die ähnlich schon von Eva Herman transportiert wurde. Um deren Äußerungen geht es in dieser Sendung. Allerdings wird Herman namentlich nicht erwähnt. Stattdessen redet Kausch davon, dass manchmal erst eine Geisterfahrerin unterwegs sein müsse, um ein Thema aktuell werden zu lassen.
In der Folge zerlegt die Sendung akribisch Hermans Thesengerüst durch Filmausschnitte, Zeugenaussagen und klare Stellungnahmen. Von Mütterkult und Rassenwahn ist ausführlich die Rede, und Kausch lässt keinen Zweifel an seiner Position. "Was für ein Wort", sagt er abfällig, als von der Rassenhygiene der Nazis die Rede ist.
Kausch zeigt, wie seine Redaktion die Sache sieht, und fällt am Ende der vom NDR und MDR gemeinsam gestemmten 30 Minuten ein Urteil, das natürlich auch klar an die Adresse der vom Norddeutschen Rundfunk nicht länger beschäftigten Nachrichtensprecherin Herman geht. "Wenn jemand glaubt, dass unter den Nazis doch nicht alles schlecht war, zum Beispiel die Rolle der Mütter, dann irrt er, oder er lügt."
Quelle und gesamter Artikel: Sueddeutsche.de, 12.12.2007
Wann lernen Journalisten, Moderatoren und Redakteure wieder, selbst zu recherchieren, statt vorgekaute Meinungen bedenkenlos nachzuplappern.
Eine Bemerkung zur Aufmachung des neuen Formats. Ein reißerischer Auftakt, der minutenlang zweifeln lässt, was nun als Inhalt tatsächlich serviert werden wird. Die Öffentlich-Rechtlichen müssen gewaltig von Selbstzweifeln geplagt sein, wenn sie meinen, Dokumentationen ein Intro verleihen zu müssen, das eher den Anfangssequenzen eines Krimis gleicht.
Die an sich gute Darstellung, welch verächtliche Intention Hitlers "Mutterehrung" trug, bekam durch die Anlehnung der Thematik an Eva Herman einen sehr üblen und bitteren Nachgeschmack, der dieser Sendung nun anhaftet. Ich brauche keine Aufklärung, wie ich Eva Herman zu verstehen habe, Jedoch sollten sich die Redaktion "Geheimnis Geschichte" und Thomas Kausch aufklären, ehe sie oberlehrerhaft meinen, das Volk aufklären zu müssen.

Alles wohlbedacht
Dazu kann ich nur feststellen, hätte die BRD nicht jahrzehntelang in den Schulen im Fach Geschichte die Aufarbeitung des 3. Reiches verschlafen bzw. nur mangelhaft den Schülern nahe gebracht, könnten sie solche Kampagnen wie mit E. Herman heute gar nicht fahren. Wir in der ehem. DDR haben eine korrekte und allumfassende Geschichte dieser Zeit in der Schule vermittelt bekommen und taugen für derartige Keulenkampagnen nicht.
Ich kann nicht bestätigen,
Ich kann nicht bestätigen, dass bei uns die Zeit ab Weimarer Republik zu kurz gekommen ist. Ich halte dies auch nicht für die Ursache, dass solche Kampagnen greifen. Hätte ich aus irgendwelchen Gründen die Vorgänge um Eva Herman nicht selbst recherchiert, würde ich vermutlich auch glauben, dass sie wohl nicht richtig aufgeklärt worden sei. Für eine Nazi-Anhängerin hab ich sie nicht gehalten, aber für ahnungslos solange ich das ganze Zitat - wie viele andere - nicht kannte.