Die politischen Magazine der ARD unterstützen
Bei aller Kritik, die am Programm und an bestimmten Formaten der öffentlich-rechtlichen Sender berechtigt ist, geht es in diesem Artikel darum, den politischen Magazinen den Rücken zu stärken und den Finger in die eigenen Wunden zu legen. Es geschah bereits im Juni 2005, dass die ARD-Intendanten den Beschluss fassten, die politischen Magazine ab Januar 2006 um 15 Minuten zu kürzen. Es sind die Magazine Panorama, Monitor, Report Mainz, Report München, Kontraste und Fakt, die uns im Gegensatz zu manch anderem Programmpunkt noch gerne die Gebühren an die GEZ zahlen lassen. Diese Entscheidung war ein Schlag ins Gesicht des kritischen und qualitativ hochwertigen Hintergrund-Journalismus in Deutschland. Wir (der Autor schreibt hier für mehrere Mitglieder und vielleicht auch für Sie) haben uns geärgert ... und das war es auch. Haben wir aufbegehrt? Haben wir uns bei der ARD beschwert? Nein. Die meisten haben es - zwar verärgert - aber hingenommen. Heute schämen wir uns dessen. Wie kann man erwarten, dass politische Magazine im Sinne des Volkes kritische Fragen stellen und gründlich recherchieren und zugleich diese Magazine im Stich lassen, wenn solche Maßnahmen durchgesetzt werden? Was können wir heute tun? Wir können Schlimmeres abwenden und immer noch daran arbeiten, dass diese Entscheidung wieder zurückgenommen wird. Und ähnlichen, auch beim ZDF oder Spartensendern wie Arte, Phoenix etc. jederzeit möglichen Entscheidungen vorbeugen.
1. Schreiben Sie persönlich die Redaktion an, wenn Sie eine Sendung, einen Bericht gut fanden. Liefern Sie dabei ruhig Zusatzinformationen, die den Journalisten möglicherweise Hinweise für ihre Recherche liefern. Sie geben den Redaktionen damit Material in die Hand, dass sie argumentativ einsetzen können, sollte es ihnen wieder an den Kragen gehen. 2. Nutzen Sie die Foren und Diskussionsangebote dieser Magazine. Auch eine rege Beteiligung dort dokumentiert, dass die politischen Magazine gefragt sind und nicht auf die Abschußliste gehören. 3. Verurteilen Sie auch nicht nur die ARD-Intendanz. Wo sich kein Widerspruch regt, gehen die Intendanten davon aus, dass solche Entscheidungen die Zustimmung der Zuschauer finden. Eine höfliche Erinnerung an den Rundfunkstaatsvertrag und dessen verbindlichen Auftrag schadet im Zweifelsfalle jedoch nie. 4. Nutzen Sie auch unseren Verein "Medien - Quo Vadis?", denn mehrere Stimmen können z.B. an einer Petition feilen, die der Verein beim Bundestag einreicht und/oder geschlossen den Sendeanstalten übergibt. Der Verein kann so auch mit Ihren Stimmen an die ARD herantreten.
Darüber hinaus wird es auf Nachhaltigkeit, Hartnäckigkeit und langen Atem ankommen. Ein oder zwei Protestbriefe machen wie eine Mücke noch keinen Sommer. Grundsätzlich soll damit an dieser Stelle auch an eines erinnert werden: Kritisiert wird immer schnell. Es ist leicht zu schimpfen und zu meckern, schwerer fällt es uns im allgemeinen, lobend Sendungen und Beiträge sowohl den Machern als auch den Auftraggebern gegenüber zu erwähnen. Würden wir auch dies häufiger tun, wären solche Maßnahmen zugunsten eher "seelenloser Programmeinfalt" statt Vielfalt kaum so leicht durchsetzbar. An dieser Stelle möchten wir daher den Appell von "Netzwerk Recherche" erneuern.
Wir appellieren dringend an die Intendanten der ARD, die Sendezeit der politischen Magazine im Ersten zu erhalten (neu: wiederherzustellen). Die Politmagazine bieten investigative Recherchen und Analysen. Eine Kürzung würde den Verlust exklusiver politischer Hintergrundinformation bedeuten. In einer Zeit zunehmender Verflachung der Programme halten wir es für ein fatal falsches Signal der ARD, ausgerechnet ihren aufklärenden Recherche-Journalismus um ein Drittel zu kürzen. Aus unserer Sicht hat der Zuschauer ein Recht darauf, über die aktuelle Tagesberichterstattung hinaus, Zusammenhänge und Missstände aufgedeckt zu bekommen. Gerade weil politische Reformen und gesellschaftliche Prozesse immer komplexer und schwieriger zu durchschauen sind, benötigt politischer Journalismus ausreichend Sendezeit, um die Entscheidungen der Mächtigen zu hinterfragen. Die Kontrollfunktion, die viel beschworene vierte Gewalt im Staat, ist das höchste Gut der Medien. Im Ersten stehen dafür seit Jahrzehnten die politischen Magazine. Ihre Substanz darf nicht ohne Not einer Programmreform geopfert werden. Die ARD muss sich zu ihren Recherche-Flaggschiffen bekennen. Wir fordern deshalb, dass die öffentlich-rechtlichen Anstalten ihr Informationsangebot aufrechterhalten (neu: überarbeiten) und die Intendanten die Einschränkung der politischen Formate abwenden (neu: die politischen Formate als DAS Qualitätskriterium in der allgemeinen Senderlandschaft fördern und positionieren).
Quelle: Netzwerk Recherche
